Ukrainekrise: Auswirkungen auf Aktien

Aktualisiert: 25. Feb.

Die Spannungen zwischen der NATO und Russland sind aktuell so hoch wie seit langer Zeit nicht mehr.

Eine weitere Eskalation der Lage, im schlimmsten Fall in Form eines Krieges, hätte nicht nur primär humanitär äußerst negative Auswirkungen, sondern würde auch eine ernstzunehmende Gefahr für die Entwicklung der Weltwirtschaft darstellen.

Politische Unsicherheiten und Wirtschaftssanktionen schwächen die Märkte und wirken sich negativ auf die Kurse an den Börsen aus.

Durch diese Instabilität haben Unternehmen unter anderem weniger Planungssicherheit und Innovationen können folglich stark gehemmt werden.

Eine größere Korrektur an den Aktienmärkten wäre in diesem Fall wahrscheinlich, da der Optimismus der Anleger über die Zukunft der Unternehmen abnehmen würde.


Wie ist die Lage aktuell?

Die Politische Lage zwischen Russland und der NATO ist extrem angespannt.

Grund dafür ist maßgeblich die Rede Wladimir Putins (21.02.), in der er unter anderem der Ukraine mindestens indirekt mit militärischen Handlungen drohte und verkündete, die von den Separatisten kontrollierten Gebiete als unabhängig anzuerkennen.

Außerdem sollen sogenannte "Friedenstruppen", die aus russischen Soldaten bestehen, in diesen Regionen stationiert werden.

Viele westliche Länder haben bereits mit Sanktionen reagiert und drohen wesentlich schwerere Sanktionen bei einer weiteren Eskalation der Lage an.

Die großen Aktienmärkte wie der DAX reagierten auf diese Nachrichten zunächst äußerst negativ.

Am darauffolgenden Tag (22.02.) wurden diese Verluste zum Teil aufgeholt.


Wie wird sich der Aktienmarkt entwickeln?

Diese Frage lässt sich leider nur schwer beantworten, da die Entwicklung wesentlich von der weiteren Entwicklung rund um die Ukraine abhängt und die russische Seite sich in den letzten Tagen äußerst unberechenbar verhalten hat.


Über die Konsequenzen einer potenziellen Erhöhung der Zinsen lässt sich streiten.

Auf der einen Seite können Zinserhöhungen wirtschaftliche Belastungen für Unternehmen darstellen und die Innovationskraft hemmen, da die Aufnahme von Krediten teurer wird. Auf der anderen Seite kann man die extrem niedrigen Zinsen der letzten Jahre als "ungesund" ansehen, da Kredite zu billig und einfach zu bekommen sind.

Eine ausführlichere Betrachtung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Jedoch ist die Rechtfertigung einer Kurskorrektur des DAX beispielsweise von fast 8% seit Jahresbeginn zumindest umstritten.

Ich persönlich bin der Ansicht, dass die Sorgen über Zinsen und Inflation etwas zu groß sind. Aus diesem Aspekt habe ich also keine zu großen Sorgen vor stärkeren negativen Entwicklungen am Markt.


Der Ukrainekonflikt hingegen ist noch weniger berechenbar.

Es gibt aus meiner Sicht drei wesentliche Szenarien:

  1. Die Lage eskaliert weiter und es gibt kriegerische Handlungen: Ich sehe es als äußerst wahrscheinlich an, dass die Aktienmärkte auf dieses Szenario sehr negativ reagieren würden und diese Entwicklung dann auch längerfristiger sein könnte. Meine persönliche Erwartung läge in diesem Fall bei Verlusten von mehr als 10 Prozent bei den wesentlichen Indizes (DAX, Dow Jones,...), die über eine längere Periode hinweg bestehen bleiben könnten.

  2. Es bleibt noch über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau der Spannungen zwischen der NATO und Russland: Weiteren Pessimismus am Markt halte ich in diesem Fall für wahrscheinlich, da die bestehenden Sorgen über Zinsen / Inflation oder die Ukrainekrise verstärkt werden könnten. Eine anhaltende Anspannung der Lage könnte zu einer erhöhten Nervosität an den Aktienmärkten führen. Besonders im Tech-Bereich sehe ich diese Gefahr. Unternehmen aus diesen Branchen sind sehr optimistisch bewertet, da von Anlegern erwartet wird, dass diese Aktiengesellschaften eine sehr wichtige Rolle in der Entwicklung der nächsten Jahrzehnte spielen werden. Bei größeren Sorgen am Markt könnte dieser Bewertungsaufschlag zuerst "aufgebraucht" werden und zu hohen Kursverlusten führen. In den letzten Wochen hat man hierzu eine gewisse Nervosität bemerken können. Unternehmen mit eher optimistischer Bewertung wie Paypal oder Meta (Facebook) beispielsweise verloren in kurzer Zeit circa einen Drittel ihres Börsenwertes.

  3. Die Situation rund um die Ukraine entspannt sich in absehbarer Zeit wesentlich: Dies würde einen sehr positiven Impuls an den Aktienmärkten auslösen und zu Kursen in Richtung des Niveaus von Ende 2021 führen können. Dies entspräche einem Aufwärtspotenzial von gut zehn Prozent in kurzer Zeit.


Aktuell wirkt es aus meiner Sicht so, als würde man an den Märkten abwarten, ob der Konflikt in der Ukraine auch militärisch eskaliert, oder ob es doch noch eine diplomatische Lösung geben kann. Dementsprechend ist die Entwicklung der Aktienkurse sehr schwer vorhersehbar und von Risiken politischer Natur geprägt.


Sollte man jetzt in Aktien investieren?


Leider kann ich die Zukunft nicht vorhersagen und dementsprechend nicht genau einschätzen, ob und inwieweit die Märkte weiterhin durch die genannten Probleme belastet werden. Dementsprechend ist der Zeitpunkt eines Aktieninvestments auch immer ein bisschen Glückssache.

Empfehlen würde ich grundsätzlich ein gestaffeltes Investment in Aktien, um das Gesamtrisiko zu mindern.

Dafür eignen sich unter anderem monatliche Sparpläne gut.

Beispiel: Man hat 50.000 Euro im Lotto gewonnen, die man gerne in Aktien investieren möchte. Legt man sie in voller Höhe sofort an und der Ukrainekonflikt eskaliert, sinkt der Wert zum Beispiel um 10 Prozent auf 45.000 Euro. Entscheidet man sich hingegen dafür, gestaffelt jeden Monat 4.000 Euro anzulegen, schrumpft der Wert zunächst um 400 Euro (Gesamt noch 49.600€) und man kauft im nächsten Monat wieder für 4000 Euro Aktienanteile dazu.



Wie sollte man als bereits investierter Anleger handeln?

Aus meiner Sicht gibt es keinen guten Grund, Aktien jetzt im größeren Stil zu verkaufen.

Natürlich denkt man als Anleger über solche Schritte nach, wenn größere Sorgen die Märkte belasten, um potenzielle Verluste einzugrenzen.

Man sollte sich aber als langfristiger Anleger immer die Frage stellen, ob man glaubt, dass diese Sorgen über einen sehr langen Zeitraum hinweg bestehen bleiben.

Bei der Thematik Zinsen / Inflation erwarte ich das persönlich nicht.

Der Ukrainekonflikt stellt eine größere Gefahr dar, doch ich halte eine militärische Eskalation immer noch für eher unwahrscheinlich.

Die Vergangenheit hat außerdem gezeigt, dass Korrekturen am Aktienmarkt eher von kurzer Dauer sind. Selbst ein größerer Konflikt sollte meiner Einschätzung nach nicht jahrelang die Aktienmärkte belasten.

Grundsätzlich sollte man als langfristiger Anleger abwartend agieren und sich nicht allzu sehr von den eventuell auftretenden Verlusten im Depot irritieren lassen.

Hektik und Angst sollte grundsätzlich nie eine Investmententscheidung beeinflussen.


Ich würde aber trotzdem empfehlen, kritisch die eigenen Investitionen zu hinterfragen. In Phasen von negativen Kursentwicklungen kann man gut überprüfen, wie sehr man von der positiven Entwicklung der jeweiligen Unternehmen überzeugt ist.

Ich selber nutze solche Phasen dazu, die Aufstellung meines Depots kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls auch das Gesamtrisiko meiner Anlage zu verringern.



Fazit:

Ich bin trotz der bestehenden aktuellen Probleme und Risiken sehr überzeugt davon, dass eine langfristige Aktienanlage weiterhin über die Jahre hinweg zu sehr guten Renditen führen wird.




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